ChatGPT ist noch kein Strategieprozess.
ChatGPT ist ein nützliches strategisches Werkzeug. Ein Strategieprozess entsteht daraus erst, wenn jemand ihn führt.
Wettbewerber vergleichen, Forschung ordnen, Hypothesen prüfen: Das kann helfen. Die Frage ist, wer die Arbeitsschritte verbindet und die Entscheidungen weiterträgt.
Strategie besteht aus abhängigen Entscheidungen
Brief prüfen, Problem diagnostizieren, Zielgruppe verstehen, Belege deuten, eine Position wählen. Jeder Schritt verändert den nächsten.
Ein Modell beantwortet die gestellte Frage. Es bestimmt damit noch nicht, welche Frage zuerst geklärt sein muss. Auch die Aufgabenverteilung zwischen Mensch und KI braucht eine Reihenfolge.
Gute Einzelantworten ergeben noch keine Strategie
Eine Zielgruppenanalyse, eine Positionierung und ein Creative Brief können einzeln gut klingen und einander widersprechen.
Prüfe eine Plattform an einem vollständigen Auftrag. Spätere Schritte müssen die zuvor akzeptierten Entscheidungen verwenden.
Die Person verbindet die Arbeit
Erfahrene Strategen wissen, was als Nächstes kommt, welchen Kontext sie brauchen und welche frühere Entscheidung gilt. Sie erkennen Widersprüche und schließen die Übergänge.
Das kann für eine Person sehr gut funktionieren. Als verlässliche Fähigkeit der ganzen Agentur bleibt es schwer übertragbar, solange der Prozess nur in ihrem Kopf liegt.
Ein Chat hält keine Entscheidung verbindlich fest
„Diese Zielgruppe gilt.“ „Diese Position ist gewählt.“ „Dieser Konflikt blockiert den nächsten Schritt.“ All das kann im Chat stehen.
Drei Tage später kann eine neue Antwort etwas anderes voraussetzen. Der Text ist gespeichert. Der Entscheidungsstatus fehlt.
Erfahrung gibt einen Maßstab
Mustererkennung hilft, eine plausible Antwort zu hinterfragen. Auch eine frühe richtige Vermutung bleibt eine Hypothese, bis sie geprüft ist.
Die HBS-/BCG-Untersuchung zeigt aufgabenabhängige Gewinne, teilweise besonders für zuvor schwächere Leistungen. Daraus folgt keine pauschale Aussage, dass KI Unterschiede immer vergrößert. Das Risiko ist ungeprüfte Zustimmung zu überzeugendem Output.
Quelle: HBS und BCG: Navigating the Jagged Technological Frontier.
„Human in the loop“ klärt zu wenig
Wer beurteilt die Diagnose, die Belege und den Nutzen der Entscheidung? Nach welchem Maßstab? Was darf in den nächsten Schritt?
Strategie wird beurteilt, nicht nur auf Fehler durchsucht. Gerade plausible, souveräne Sprache macht diese Aufgabe wichtig.
Die interessante Idee kommt oft zu früh
Die erste Idee kann unbemerkt alle späteren Fragen bestimmen. Dann wird die Untersuchung zur Begründung einer schon gewählten Antwort.
Lege fest, welche Frage die Aufgabe beantworten soll. Die Toolwahl folgt daraus. Der Prozess muss bestimmen, wann eine Entscheidung reif ist.
Allgemeine LLMs bleiben nützlich
Ich nutze sie weiter für offene Exploration. Ein gemeinsamer Prozess ergänzt Reihenfolge, Freigaben, Kriterien und Haltepunkte.
Halte vor der Übergabe fest, was entschieden wurde, worauf es beruht und wer es wieder öffnen darf. Diese Information gehört in den nächsten Workflow.
